
Der Sehnerv ist wohl der wichtigste menschliche Sinn.
In Geschäften und Supermärkten dient die RFID-Technik (Radio Frequency Idintification) normalerweise als Diebstahlschutz, denn man weiß zu jeder Zeit, wo sich die Ware befindet. An der Central Michigan University haben nun ein Professor und fünf seiner Studenten einen Blindenstock entwickelt, der sich diese Navigationshilfe zu Nutze macht: Der als „Smart Cane“ („schlauer Stock“) bezeichnete Blindenstock ist mit einem Ultraschallsensor ausgestattet. Dieser ist mit einem kleinen Navigationssystem verbunden, das der blinde Nutzer in einer Schultertasche trägt und ihm akustische Informationen über vorhandene Hindernisse und Ausweichmöglichkeiten signalisiert. „Mit diesem Projekt wollte ich meinen Studenten zeigen, wie diese Technik sinnvoll eingesetzt werden kann“, sagte Kumar Yelamarthi, verantwortlicher Professor und Projektleiter. „Wir wollten anderen Menschen helfen und unseren Campus barrierefreier gestalten.“
Um den Stock zu testen, installierten die Studenten zwischen zwei Gebäuden auf dem Universitätscampus in Mount Pleasant RFID-Tags. Während des Tests trugen die Studenten zur Simulation einer Sehbehinderung dunkle Brillen. Sobald nun das System ein Hindernis erkannte, erhielt der Nutzer über einen in den Tragegurt der Umhängetasche eingebauten Lautsprecher akustische Rückmeldungen und konnte dem Hindernis anhand der Anweisungen ausweichen. Für taubblinde Menschen entwickelten die Studenten einen speziellen Handschuh, über den die Rückmeldungen per Vibration erfolgen.
Seinen „schlauen Stock“ möchte der Wissenschaftler jedoch noch verbessern und die Anwendung soweit optimieren, dass sie zusätzlich die Daten des GPS-Navigationssystems verarbeitet.
Auf dem Markt sind bereits GPS-Navigationslösungen für Blinde erhältlich: So ist es über ein Mobiltelefon mit Sprachausgabe und GPS-Empfänger und eine Internet-Anbindung möglich, die speziell für Blinde entwickelte Software „Wayfinder Access“ des schwedischen Herstellers Wayfinder zu nutzen. Weitere für Blinde auf Symbian-Mobiltelefonen, Smart Phones und PDAs nutzbare Navigationsprogramme sind die kommerziell auf dem Markt erhältlichen Produkte „Trekker“ der Firma Humanware, das Programm „StreetTalk“ von Freedom Scientific sowie das durch eine spanisch-amerikanische Kooperation zwischen den Firmen Code Factory und der Sendero Group entstandene Produkt „Mobile Geo“. Im Gegensatz zu „Wayfinder Access“ erfordern fast alle der genannten Programme jedoch die Installation von Kartenmaterial und beziehen die Informationen über den aktuellen Standort nicht per Internet-Verbindung.
Die Verknüpfung der RFID-Technik mit der Navigation per GPS in einem Gerät könnte die die Navigation von Blinden revolutionieren. Beispielsweise würden in öffentlichen Gebäuden installierte RFID-Tags die Orientierung auch dort erlauben, wo der Empfang des GPS-Signals an seine Grenzen stößt und der Aufbau einer Internetverbindung über das Handy unmöglich ist.

